Kurzantwort
Was Sie zuerst wissen müssen.
Für grosse Dachflächen im Thurgau ist die wichtigste Frage nicht, wie viele Module theoretisch Platz haben. Entscheidend ist, ob Dach, Statik, Netzanschluss, Messkonzept, Bewilligungsweg, Förderprogramm und Stromnutzung zusammenpassen. Anlagen unter 100 kW, Anlagen ab 100 kW und Anlagen ohne Eigenverbrauch können bei Pronovo in unterschiedlichen Förderlogiken laufen; zusätzlich muss der Netzbetreiber die technische Anschlussfähigkeit des konkreten Standorts prüfen.
Wichtig
Diese Seite bietet eine allgemeine Orientierung für grosse PV-Dachflächen im Kanton Thurgau. Sie ersetzt keine objektspezifische Dach-, Statik-, Brandschutz-, Netz-, Rechts-, Steuer- oder Förderprüfung. Förderprogramme, Tarife, Netzanschlussbedingungen und Bewilligungsverfahren müssen für jedes Projekt mit dem aktuellen Stand von Pronovo, Kanton, Gemeinde und zuständigem Netzbetreiber geprüft werden.
Entscheidungen
Woran sich der richtige Weg entscheidet.
Die nutzbare Dachfläche ist nicht identisch mit der sichtbaren Dachfläche. Lichtbänder, Oblichter, Dachaufbauten, Brandabschnitte, Schneefang, Wartungswege, Absturzsicherung, Verschattung, Dachalter und spätere Sanierungen können die belegbare Fläche stark verändern. Bei grossen Dächern gehört deshalb eine Dachaufnahme vor die Ertragsrechnung.
Die Tragfähigkeit entscheidet über Systemwahl und Belegungsdichte. Besonders bei Hallen, Scheunen und älteren Gewerbedächern müssen Eigenlast, Schnee, Wind, Ballastierung oder Durchdringungen objektspezifisch beurteilt werden. Ein leichtes Montagesystem löst keine statische Prüfung, wenn das Dach Reserven oder Sanierungsbedarf offenlässt.
Der Förderweg hängt unter anderem von Leistung und Eigenverbrauch ab. Pronovo unterscheidet Einmalvergütungen für kleine Anlagen, grosse Anlagen und hohe Einmalvergütungen für Anlagen ohne Eigenverbrauch. Welche Logik passt, muss vor der Eingabe mit aktueller Pronovo-Regelung, Inbetriebnahmedatum und Projektmodell geprüft werden.
Der Netzanschluss kann bei grossen Anlagen der Engpass sein. Anschlussleistung, Einspeisepunkt, Zählerplatz, Schutzkonzept, Trafo, Netzverstärkung, Blindleistungsvorgaben und Inbetriebnahmeunterlagen gehören früh in die Planung. Ohne Netzabklärung ist eine Vollbelegung nur eine technische Annahme, kein gesichertes Projekt.
Eigenverbrauch, reine Einspeisung oder Dachpacht führen zu unterschiedlichen Projekten. Landwirtschaftliche Betriebe, Kühlhäuser, Werkhöfe, Produktionshallen und Mehrmieterobjekte haben verschiedene Lastprofile. Wirtschaftlich sinnvoll wird die Anlage erst, wenn Stromnutzung, Abrechnung, Betrieb und Eigentümerrolle mitgeplant werden.
Ablauf
So bleibt das Projekt sauber geführt.
- 1
Dach und Objekt erfassen: Dachaufbau, Alter, Sanierungsfenster, Tragwerk, Abdichtung, Entwässerung, Brandabschnitte, Zugänge, Absturzsicherung, Verschattung und bestehende technische Aufbauten dokumentieren. Daraus entsteht eine erste realistische Belegungsfläche statt einer pauschalen Dachflächenannahme.
- 2
Nutzungsmodell festlegen: Eigenverbrauch, ZEV oder vZEV-Prüfung, reine Rücklieferung, Dachpacht, spätere Speicher- oder Wallboxintegration und mögliche Lastverschiebung vergleichen. Das Modell beeinflusst Wechselrichter, Messung, Förderweg und Betreiberpflichten.
- 3
Netzbetreiber früh einbinden: Anschlussgesuch, verfügbare Anschlussleistung, Einspeisepunkt, Messkonzept, Schutzanforderungen, Zählerumbau und mögliche Netzverstärkung klären. Bei grossen Anlagen sollte diese Abklärung nicht erst nach der Materialbestellung erfolgen.
- 4
Förder- und Bewilligungsweg prüfen: Pronovo-Programm, aktuelle Tarife, Inbetriebnahmebedingungen, Beglaubigung, kantonale oder kommunale Vorgaben sowie Melde- oder Bewilligungsfragen separat einordnen. Eine Förderzusage, eine Netzfreigabe und ein Baurechtsentscheid sind verschiedene Projektschritte.
- 5
Varianten rechnen und erst dann offerieren: Vollbelegung, Teilbelegung, Ost-West-Layout, Süd-Layout, Speicheroption, Einspeisebegrenzung, Eigenverbrauchsoptimierung und spätere Erweiterung technisch und wirtschaftlich vergleichen. Die beste Lösung ist diejenige, die Dach, Netz und Betrieb gemeinsam trägt.
Checkliste
Fragen, die vor der Offerte geklärt sein sollten.
- Dachzustand, Statik, Brandabschnitte und laufende Dachnutzung vor der Modulbelegung prüfen
- KLEIV, GREIV oder HEIV nicht nach Bauchgefühl wählen, sondern nach Leistung, Eigenverbrauch und Projektziel
- Netzanschluss, Messung, Trafo- oder Verstärkungsbedarf vor der definitiven Offerte klären
- Eigenverbrauch, Pachtmodell, Direktvermarktung oder Rücklieferung als Varianten sauber vergleichen
FAQ